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Vier_Länder-Tour gegen westliche Winde

Gesamtstrecke ca. 347 Kilometer

Fahrradkarten:
komoot

1. TagMittwoch,Donnerstag, 2.Juli
StreckeMünster – Berlin-Spandau – Ketzin – Brandenburg – Plaue
Wetterangenehmes Radlerwetter mit kräftigem Westwind
Tourdaten78 km, 350 Hm
ÜbernachtungGästehaus Schloss Plause, Schlossstraße 27a · 14774 Brandenburg an der Havel / Plaue, Tel.: 03381 3662362
https://www.schlossplaue.de/gaestehaus.php
, 345 €
Ankunft in Spandau

In diesem Jahr haben wir einen Lückenschluss von Berlin nach Hannover geplant. Leider kann Christian nicht teilnehmen (Auch wenn er einer der Tempomacher ist, wird sich die Hoffnzung auf eine gemächlichere Tour nicht erfüllen). Sehr früh am Morgen starten wir um 6:24 Uhr in Münster mit dem ICE nach Berlin. Die Fahrkarten sind seit Monaten gekauft. Wir kommen tatsächlich pünktlich in Berlin-Spandau an. Schon vor 10 Uhr sitzen wir auf unseren Rädern.

Spandau war jahrhundertelang bedeutender als Berlin und wurde 1920 eigemeindet. Der Bezirk hat sich bis heute eine starke eigene Identität bewahrt. Viele Spandauer sagen bis heute scherzhaft: „Ich fahre nach Berlin“, wenn sie in die Innenstadt fahren.

Wir verlassen Spandau in südöstliche Richtung, vorbei an den Rieselfeldern Karolinenhöhe, die heute ein Naherholungsgebiet sind. In Groß-Glienecke verlassen wir Berlin. Der Ort gehört schon zu Potsdam und damit zum Land Brandenburg. Wenig später in Krampnitz durchqueren wir das riesige Gelände der ehemaligen Kaserne Krampnitz. Von den Nazis gegründet, wurde sie nach dem 2. Weltkrieg bis 1991 von der sowjetischen Armee genutzt. Nach 1991 wurde sie zu einem der bekanntesten „Lost Places“ in Brandenburg. Mittlerweile findet ein Umbau zu einem neuen Stadtquartier mit fast 5000 Wohnungen statt.

auf der Fähre
Warten auf die Fähre
Pause in Marqueárdt auf dem Apfelhof
Pause auf dem Apfelhof

Vor Marquardt machen wir unsere erste Pause an der Obstscheune, einem beliebten Ausflugsziel mit vielfältigen Selbsterntemöglichkeiten. Wir genießen Apfelsaft und Schmalzstullen. In Ketzin erreichen wir die Havel. Die Fähre „Charlotte“, die uns auf die andere Seite bringen soll, macht gerade Mittagspause. Der schließen wir uns an für einen Suppen-Imbiss im Restaurant „An der Fähre“. Das Lokal ist überraschend gut besucht und die Suppen schmecken.

Ab jetzt bis Brandenburg führt uns ein gut ausgebauter Radweg häufig auf dem Deich die Havel entlang. Viel Natur, viel Wind und viele Seen kennzeichnen den Weg. Zu Beginn am Trebelsee müssen wir ein riesiges Deponiegelände umfahren. Die Bauschuttdeponie Deetz hat seit den 70er Jahren Schutt aus Berlin und Potsdam aufgenommen, der wegen der Lage an der Havel per Schiff dorthin transportiert werden konnte. Heute ist sie weitgehend stillgelegt.

Am frühen Nachmittag sind wir in Brandenburg. Ein selbsternannter Stadtführer berichtet uns einiges über die Stadt. Sie blickt auf eine über 1000jährige Geschichte zurück und ist damit viel älter als Berlin. Die Stadt ist stark durch Wasser geprägt und hat etwa 75.000 Einwohner. Wir durchfahren die Stadt vollständig von Ost nach West. Unter der Jahrtausendbrücke finden wir ein Eiscafé für die nächste Pause. Die Brücke erhielt ihren Namen, als der Brückenneubau im Jahr 1929 anlässlich der 1000-Jahr-Feier der Stadt eingeweiht wurde. Es herrscht reger Bootsverkehr auf der Brandenburger Niederhavel, wie die Havel hier heißt.

Plaue
Plauer Brücke
Schloss Plaue

Wenig später verlassen wir die Stadt entlang des Silokanals. Es sind jetzt noch etwa 10 Kilometer bis Plaue, wo wir unser Quartier für die Nacht gefunden haben. Über die alte Plauer Brücke, die mittlerweile für den motorisierten Verkehr gesperrt ist, erreichen wir das Gästehaus des Schlosses Plaue, das uns mit geräumigen Zimmern und einem lauschigen Biergarten direkt über der Havel empfängt. Den Tag beschließen wir mit einem kleinen Spaziergang durch Plaue und einem Abendessen in der Villa Lindenhof beim Griechen.

Das Schloss Plaue blickt auf eine wechselvolle 800jährige Geschichte zurück. Nach dem mittelalterlichen Ursprung als Wehrburg wurde es im 18. Jahrhundert als barockes Schloss umgestaltet. nach dem 1945 wurde es zunächst von der roten Armee geüplündert und diente in der DDR für einige Jahre Erholungsheim, Verwaltungsschule und Dolmetscherschule. Mittlerweile ist das Schloss im privaten Besitz. Die Wiederherrichtung der gesamten Schlossanlage stehr allerdings noch aus.

2. TagFreitag 3. Juli
StreckePlaue – Genthin – Burg – Barleben
Wettermorgens etwas Regen, danach perfekter Sonne-Wolken-Mix
Tourdaten78 km, 240 Hm
ÜbernachtungB&B Hotel Barleben, Lindenallee 16, 39179 Barleben, 039203 51993100
https://www.bbbhotels.de, 306 €
häufige
Kiefern-wälder
Sonnen-blumen
neue Radwege
Frühstück in Plaue

Der Tag beginnt mit einem Frühstück draußen im Biergarten. Pünktlich um 9 Uhr starten wir. Schon wenige Kilometer hinter Plaue stoßen wir auf den Elbe-Seiten-Kanal. Den werden wir jetzt bis hinter Burg begleiten. Wieder einige Kilometer weiter wechseln wir von Land Brandenburg nach Sachsen-Anhalt. Wir fahren jetzt durchs Jerichower Land. Es wird die einsamste Etappe der diesjährigen Tour. Der erste nennenswerte Ort, den wir durchfahren, ist Genthin. Hier gibt es auch die erste Pause, leider nur an einem Lebensmittel-Markt.

Berliner Turm in Burg

Weiter geht die Kanalfahrt. Der kräftige Westwind ärgert ordentlich. Trotzdem fahren wir mehr als 30 Kilometer bis zur nächsten Pause in Burg in einem Eiscafé.

Burg ist die Kreisstadt des Jerichower Landes mit etwa 22.000 Einwohnern. Aufgrund der vielen historischen Türme wird sie oft als „Stadt der Türme“ bezeichnet. Wahrzeichen der Stadt ist die Kirche „St. Nicolai“, die rößte romanische Granitbasilika östlich der Elbe. Die über 1060 Jahre alte Stadt besitzt eine historische Oberstadt mit gut erhaltenen Bauwerken wie dem Berliner Torturm und dem Hexenturm, verwinkelten Gassen und Fachwerkbauten. 



Wir verlassen Burg, bleiben aber am Elbe-Havel-Kanal. Es wird jetzt waldreicher. Nach etwa zehn Kilometern passieren wir die Doppelsparschleuse Hogenwarthe. Sparschleuse heißt sie deshalb, weil sie durch seitliche Sparbecken eine Teil des abgelassenen Wassers wiederverwerten kann. Die Schleusenanlage bildet das östliche Ende der Mittellandkanals. Die Schiffe werden hier 18,5 m in den tiefer liegenden Elbe-Havel-Kanal geschleust. Sie wurde 2003, zusammen mit der Kanalbrücke Magdeburg, eröffnet. Ab hier fahren wir also am Mittellandkanal, der längsten künstlichen Wasserstraße in Deutschland. Schon zwei Kilometer später stehen wir vor der imposanten Kanalbrücke über die Elbe.

Kanal-brücke
Doppelspar-schleuse

Die Kanalbrücke Magdeburg ist das Herzstück des Wasserstraßenkreuzes Magdeburg. Sie führt den Mittellandkanal in rund 918 Metern Länge über die Elbe und ist damit die größte Kanalbrücke der Welt. Sie wurde 2003 nach einer Bauzeit von fünf Jahren eröffnet. Nach Planung in den 1920er Jahren war im Jahr 1934 schon einmal mit dem Bau einer Kanalbrücke begonnen worden. Der Bau musste aber kriegsbedingt eingestellt werden. Die bereits fertig gestellten massiven Pfeiler mussten beim zweiten Anlauf aufwändig abgebrochen werden. Der Trog ist 32 Meter breit und 4,25 Meter tief und er erlaubt Elbeschiffen eine Durchfahrtshöhe von 6,50 Metern auf einer Breite vom 90 Metern.

B&B Hotel Barleben

Um dieses ingenieurtechnische Wunderwerk bestaunen zu können, hatten wir zwischenzeitlich unsere Route umgeplant. Dadurch besteht nicht mehr die Notwendigkeit, nach Magdeburg zu fahren. Nach einigen Online-Recherchen finden wir ein Hotel nördlich von Magdeburg in Barleben. Unser B&B Hotel (eins von fast 900 Hotels weltweit) liegt am Ortsrand und hat kein Restaurant. Das Pizza Haus Barleben liegt aber in der Nähe. Seine Steinofenpizza können wir draußen auf der Terrasse genießen.

3. Tag Samstag, 4. Juli
Strecke Barleben – Helmstedt – Königslutter am Elm – Wolfenbüttel
Wetter kühl, häufiger leichter Regen, starker Gegenwind
Tourdaten 90 km, 640 Hm
Übernachtung Landhaus Dürkop, Alter Weg 47, 38302 Wolfenbüttel, 05331 7053, www.landhaus-duerkop.de, 407 €

Etappenziel heute soll Königslutter am Elm sein. Die Landschaft hat sich gegenüber gestern stark geändert. Viele Dörfer reihen sich aneinander. Weite Blicke gehen ins offene Land. Der Boden macht einen ertragreichen Eindruck. Kurz, wir fahren durch die Magdeburger Börde, die als eine der besten Ackerbauregionen Europas gilt. Vor allem der sogenannte Schwarzerdeboden ist hier verbreitet. Der macht eine intensive Landwirtschaft möglich (Zuckerrüben, Weizen, Gerste, Raps).

riesige Biogasanlage

Ferkel-taxen-Radweg

In Nordgermersleben, bei einer kurzen Rast, stellen wir fest, dass wir uns am Anfang des Ferkeltaxen-Radweges befinden. Er ist gerade auf einer ehemaligen Bahnstrecke gebaut und wir dürfen ihm 5 Kilometer lang folgen. Der Name nimmt Bezug auf die früheren rundlichen und oft rot lackierten DDR-Schienenbusse, die hier fuhren und im Volksmund Ferkeltaxe genannt wurden. Der Radweg ist vorbildlich begrünt an beiden Seiten. Nach etwa zwei Kilometern überqueren wir die Elbe-Weser-Wasserscheide. Ab sofort fließt alles Wasser gen Weser.

Uns sind schon seit einiger Zeit die Ortsnamen aufgefallen. Sehr viele haben „..leben“ als Endung. Allein zwischen Barleben und Helmstedt durchfahren wir zwölf derartige Orte. Das geht wohl auf eien alte sächsisch-germanische Namensbildung zurück, wobei das nichts mit dem heutigen Wort „Leben“ zu tun hat. Es stammt vermutlich aus dem Altsächsischen bzw. Niederdeutschen „leba“ / „leiba“ und bedeutet etwa „Erbe“ oder „Besitz“. Ein Ortsname mit dieser Endung bezeichnete ursprünglich also den Besitz oder das Land einer Person.

Erxleben-Schloss

Wie schon erwähnt müssen wir den wunderbaren Radweg schon bald wieder verlassen. In Erxleben passieren wir eine mächtige Schlossanlage – das Schloss Erxleben. Aus einer mittelalterlichen Burganlage entstanden, befand es sich seit 1282 im Besitz der Familie von Alvensleben, bevor es 1949 im Zuge der DDR-Bodenreform enteignet wurde.

Marienborn
B&B Hotel Barleben

Kurz vor Helmstedt erreichen wir die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn an der Autobahn A2. Der Grenzübergang Helmstedt/Marienborn war der größte und bedeutendste Grenzübergang an der innerdeutschen Grenze während der deutschen Teilung und bestand aus dem „Kontrollpunkt Helmstedt“ in der westdeutschen Kreisstadt Helmstedt und der „Grenzübergangsstelle Marienborn“ (GÜSt) in der ostdeutschen Gemeinde Marienborn. Millionen von Transitreisenden haben hier mit unguten gefühlen Schlange gestanden.

Mittlerweile regnet es wieder und wir suchen ein Café, finden aber auf dem Gelände keines. So beschließen wir, bis Helmstedt weiter zu fahren. Der Weg dorthin wird abenteuerlich. Es scheint ein alter DDR-Genzweg im Urzustand zu sein. Wir trauen uns wegen riesiger Pfützen zunächst nicht, durch den Wald auf Helmstedter Gebiet abzubiegen. Beim Versuch der Umfahrung müssen wir allerdings feststellen, dass das kilometerlange Umwege bedeuten würde. Also zurück und zum Glück finden wir einen trockenen Durchschlupf. Der ist nur sehr kurz und endet an der Magdeburger Warte, einem von drei mittelalterlichen Wehrtürmen der Helmstedter Landwehr. Er ist im 19. Jahrhundert auf noch bestehenden Bauresten mit den alten Steinen zu einer Höhe von etwa 10 Meter wiederaufgebaut worden.

Eiscafé
Helmstedt

In Helmstedts Zentrum können wir endlich eine „richtige“ Pause im Eiscafé Venezia machen. Es ist mittlerweile mal wieder trocken, so dass wir draußen sitzen können. Die Magdeburger Börde liegt hinter uns. Wir befinden uns jetzt im Ostbraunschweigischen Hügellland mit dem Elm als höchsten und prägendsten Höhenzug. Unser nächstes Ziel ist Königslutter am Elm, wo wir gtegen 14 Uhr ankommen. Uns ist klar, dass wir unsere heutige Tourplanung erweitern müssen. Nach einigem Hin und Her sind wir uns einig, noch bis Wolfenbüttel weiter zu fahren. Von diesem schönen Fachwerkstädtchen sehen wir uns nur den Kaiserdom an. Aber der ist außergewöhnlich.

Kaiser-dom

Der Kaiserdom – offiziell die Stiftskirche St. Peter und Paul – wurde 1135 von Kaiser Lothar III. als Benediktiner-Abteikirche und Grablege für sich und seine Familie gestiftet. Die Fertigstellung des romanischen Bauwerkes erfolgte – nach Lothars Tod und dem Übergang des Kaisertums an die Staufer – um 1170 unter Heinrich dem Löwen. Der Dom zählt zu den wichtigsten Kulturdenkmälern der Romanik in Deutschland und war das erste Großgewölbe nördlich des Harzes. Er ist von der Bedeutung her dem salischen Kaiserdom zu Speyer gleichzusetzen.

Landhaus Dürkop

Nach einem ausgiebigen Erkunden des Domes und des benachbarten Domcafés starten wir zur letztes Teiletappe nach Wolfenbüttel. Hier haben wir im Laufe des Tages im Landhaus Dürkop drei Doppelzimmer gebucht. Der Senior des Hauses empfängt uns wortreich und ausschweifend. Wieder müssen wir uns ein Lokal fürs Abendessen suchen. Das finden wir mit dem Restaurant Rhodos, wo zwei von uns ihre erste gebratene Forelle völlig ohne Gräten essen. Der Fischhändler meines Vertauens erklärt mir später in Münster, dass es sich dabei nur um industriell vorbereitete TK-Fische handeln kann. Geschmeckt haben sie trotzdem.

4. TagSonntag, 5. Juli
StreckeWolfenbüttel – Salzgitter – Hildesheim – Elze
WetterStart im Regen, hinter Salzgitter wird es schon mal sonnig
Tourdaten70 km, 470 Hm
ÜbernachtungHotel Cappucino, Hauptstr. 1, 31008 Elze, https://https://hotelcappuccino.de/, 336 €

5. TagMontag, 6. Juli
StreckeElze – Hameln
Wetterkühl
Tourdaten30 km, 210 Hm
Übernachtung